SMT® - Sanfte Manuelle Therapie
(Erschienen in der Zeitschrift Co-Med in der Ausgabe Nr. 12, Jahrgang 2002, Seite 55 - 59.)
In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine relativ neue manuelle Therapie vorstellen, die im Prinzip auf der Dorn´schen Wirbelsäulentherapie basiert, aber von mir verbessert und auf schulmedizinisch akzeptable Beine gestellt wurde.
Die SMT® ist eine Ganzheitstherapie.
Wenn Sie mich fragen, welche Erkrankungen sich mit dieser Therapie heilen
oder zumindest bessern lassen, muß ich Ihnen, ohne überheblich erscheinen zu
wollen, antworten: Alle, bis in den psychischen Bereich hinein, außer, eine
Erkrankung hat schon zu irreversiblen Organschäden geführt.
Welche wissenschaftlichen Hintergründe hat die SMT®? Sie ruht auf vier Erkenntissäulen:
1. Einer bisher in der Schulmedizin unbekannten manuellen Therapieform mit
durchaus revolutionierendem neuen Wissen. Dabei handelt es sich z.B. um den
manuellen Beinlängenausgleich bei einer Beinlängendifferenz als Folge einer
Hüftsubluxation (Subluxation = Teilausrenkung) und einer
Kreuzbeinbeckengelenksubluxation (Ilio-Sakral-Gelenk = ISG).
2. Der osteopathischen Erkenntnis, daß an jedem Wirbel und dem dazugehörigen
Rückenmarkssegment (Abschnitt) ein Bezug zu bestimmten Organen besteht. Das
bedeutet, daß es bei Schäden an diesen Strukturen zu Störungen der Organfunktion
kommt, die dann wiederum Grundlage einer Krankheitsentstehung ist.
3. Dem Wissen der Chinesischen Medizin, speziell der Akupunktur- und
Meridianlehre, daß die Steuerung der Organfunktionen, auch untereinander, über
das vegetative (willentlich nicht beeinflußbare) Nervensystem stattfindet und
abgeglichen wird und der neuen Erkenntnis der SMT® - was für die westliche
Schulmedizin absolut neu ist -, dass auch über das vegetative Nervensystem
Schmerzen entstehen können, in Form eines Meridianschmerzes. Beim Meridian
handelt es sich um eine real existierende Struktur unseres Körpers, den
Gefäßnervenstrang, einem Geflecht von sympathischen und parasympathischen
Nervenfasern, das netzartig um die Blutgefäße herum zu finden ist.
4. Dem naturwissenschaftlich-schulmedizinischen Wissensstand von Anatomie,
Physiologie, Physik, Chemie und anderen Teilbereichen.
Die SMT® hat es geschafft, westlich-naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem
Wissen anderer Völker und Kulturen so zu vereinen und kombinieren, daß eine
eigenständige neue Therapie entstanden ist, deren Effizienz in der Behandlung
von Schmerz-, inneren Organ- und neurologisch-psychischen Erkrankungen
unerreicht ist.
Damit hat sie das in der Inquisition verlorengegangene Heilerwissen wiederbelebt
und mit Sicherheit erweitert, denn die Grundlage der SMT® ist eine uralte
Volksmedizin.
Ich habe die Therapie als Tinnitus- (Ohrgeräusch-) Patient am eigenen Leibe
erfahren. Vor der ersten Behandlung hatte ich wahnsinnige Angst, denn ich kannte
bis dahin nur die klassische Chirotherapie. Die erste Therapiesitzung hat mich
so beeindruckt, auch wegen der Ungefährlichkeit der Behandlung, daß ich den
Heiler spontan fagte, wo man so etwas lernen könne. Er erbot sich, mich nicht
nur regelmäßig wegen meines Tinnitus´ zu behandeln, sondern mir die Therapie
beizubringen. Am meisten hat mich der manuelle Beinlängenausgleich fasziniert.
Wie viele Patienten mit Beinlängendifferenzen hatte ich bisher in meiner
Allgemeinpraxis mit einem Schuhausgleich versorgt! Jetzt mußte ich lernen, daß
ein Beinlängenausgleich mittels eines einfachen Handgriffs eine Sache von
Sekunden ist. Im Laufe der Jahre mußte ich obendrein erkennen, daß eine
Beinlängendifferenz nicht nur bei Erwachsenen, sondern schon bei Säuglingen und
Kleinkindern die Regel ist. Dabei ist die Erkenntnis wichtig:
Nicht das kürzere, sondern das längere Bein ist der krankhafte Befund.
Ein Bein wird länger, weil Hüft-, Knie- und Sprunggelenk aus dem Gelenk
herausgezogen oder -gehebelt werden, so daß eine Subluxation entsteht. Wie kann
das passieren? Einfach durch menschliches Fehlverhalten!
Folgende Mechanismen sind dabei für den häufigsten Gelenkschaden im Rahmen einer
Beinlängendifferenz, der Hüftsubluxation, ausschlaggebend:
Wird das Knie des einen Beines über die Mittellinie des Körpers zur Seite des
anderen Beines herübergebracht, wie das z. B. beim Beineübereinanderschlagen
oder dem Cat-walk der Mannequins auf dem Laufsteg geschieht, wird sofort die
Hüfte ein Stück aus dem Gelenk herausgehebelt. Dafür verantwortlich ist die
Tatsache, daß der Hüftkopf bei dieser Fehlbewegung an einen Knochenvorsprung des
Pfannendachs (Eminentia iliopectinea) ankantet und so der Hüftkopf seitlich nach
vorne aus dem Hüftgelenk herausgedrückt wird. Wird der Oberschenkel zum
Oberkörper hin zu stark angewinkelt, d. h. der Winkel von 90 Grad
unterschritten, wie es beim Stretchen und Dehnen im Hüftbereich und beim
gerade-über-den-Oberschenkel-Hinabbeugen vorkommt, kantet der Hüftkopf am
seitlichen Pfannendacherker und wird seitlich aus dem Hüftgelenk herausgehebelt.
Die Folge dieser Vorgänge ist eine Beinverlängerung.
Hiermit habe ich ein bisher der Schulmedizin unbekanntes Naturgesetz der menschlichen Bewegungsmechanik definiert, denn der beschriebene Mechanismus tritt bei jedem Menschen, gleichgültig welchen Alters, schon nach einer einmaligen Fehlbewegung auf.
Auch Knie- und Sprunggelenk können, wenn auch wesentlich seltener als das
Hüftgelenk, subluxieren und damit der Grund für eine Beinverlängerung sein.
Ursächlich verantwortlich ist eine Überbeugung des Kniegelenks, wobei beim
Ausstrecken die Gelenkflächen nicht mehr regelrecht aufeinander zu liegen
kommen, und am Sprunggelenk ist es vor allem ein Zug auf das Gelenk.
Die Korrektur einer Hüftsubluxation und damit einer Beinverlängerung ist ganz
einfach:
Der Patient legt sich auf den Rücken, hebt den Oberschenkel in der Hüfte auf 90
Grad an und winkelt das Kniegelenk so ab, daß der Unterschenkel waagrecht zur
Unterlage steht. Nun drückt der Betreffende mit seiner geballten Faust seitlich
an den Oberschenkel, wobei das Knie etwas nach außen gerichtet bleibt, und legt
dann das Bein unter ständigem seitlichen Druck gegen den Oberschenkel auf die
Unterlage ab.
Durch eine Hüft-, Knie- und Sprunggelenksubluxation entsteht also eine Beinverlängerung, deren Folge ein Beckenschiefstand ist.
Durch eine Hüftgelenksubluxation entsteht jedoch noch ein zweites Problem, nämlich eine Verspannung der tiefen Gesäßmuskulatur.
Die tiefen Gesäßmuskeln machen am Kreuzbein fest und ziehen zum seitlich am Oberschenkel gelegenen großen Rollhügel (Trochanter major). Dadurch entsteht im Rahmen einer Hüftsubluxation nicht nur ein Zug auf die Hüfte, der mit Schmerzen verbunden ist, sondern gleichzeitig wird der Ischiasnerv eingeklemmt, da er auf seinem Weg vom Becken ins Bein durch eine Muskellücke der tiefen Gesäßmuskulatur hindurchziehen muß. Verspannt sich nun die tiefe Gesäßmuskulatur durch eine Hüftsubluxation, entstehen nicht nur Hüftschmerzen, sondern es können auch Ischiasbeschwerden auftreten. Dieser Mechanismus ist aber nur zum Teil für Hüft- und Ischiasprobleme verantwortlich.
Eine Beinverlängerung durch Hüft-, Knie- und Sprunggelenksubluxationen
hat einen Beckenschiefstand zur Folge.
Dadurch stehen die Ilio-Sakral-Gelenke (ISGs) unter Spannung. Sie werden noch instabiler, als sie es von Natur aus schon sind. Diese Instabilität haben wir unserem Evolutionssprung vom Tier zum Mensch zu verdanken. Dabei hat der Mensch sein Skelett, das für den Vierfüßlergang konzipiert war, zum Skelett für den aufrechten Gang umfunktioniert. Die Vorderläufe der Tiere haben sich zu den Armen umgewandelt, wodurch dem Menschen der Werkzeuggebrauch möglich wurde.
Der Mensch muß, wie bei allem was er tut, einen Preis bezahlen, in diesem Fall dafür, daß er durch seine Aufrichtung auf zwei Beine die Vormachtstellung in der Welt errungen hat.
Dieser Preis ist eine auf Grund der Anatomie und der physikalisch-statischen Verhältnisse eine Instabilität im ISG (Ilio-Sakralgelenk).
Diese Instabilität im ISG kommt dadurch zustande, daß das Kreuzbein in seinem Gelenk von den Beckenschaufeln zum Bauch hin herausgedrückt werden kann, da das ISG zur Bauchseite hin wesentlich weiter offen ist als zu seiner Rückseite, wo es seitlich durch die hinteren Anteile der Beckenschaufeln überragt und überdeckt wird. Dadurch stehen die Gelenkflächen senkrecht und haben vorn nach hinten gesehen einen Neigungswinkel von 45 Grad, also schräg. Bei einer Druckerhöhung, z. B. durch zunehmende Muskelverspannung der Beckenmuskeln, drücken die Beckenschaufeln das Kreuzbein in seinem oberen Anteil zum Bauch hin heraus. Die Folge ist eine Hohlkreuzbildung.
Ein Hohlkreuz ist also keine Haltungsschwäche, sondern die anatomisch-physiologische Folge einer Kreuzbeinsubluxation.
Somit macht der untere Anteil des Kreuzbeins mit dem Steißbein eine
Rückwärtsbewegung. Jetzt wird die tiefe Gesäßmuskulatur stärker überdehnt, wobei
sie sich in dem Bemühen, seine normalen Längen- und Spannungsverhältnisse wieder
herzustellen, noch stärker verspannt, als dies allein durch eine Hüftsubluxation
schon der Fall ist.
Die Folge ist, der Zug auf die Hüfte verstärkt sich und Hüftbeschwerden
entstehen oder werden schlimmer. Außerdem wird der Ischiasnerv stärker
eingeklemmt und bereitet dadurch Probleme wie Ischiasschmerzen, Gefühlsstörungen
usw..
Die durch diese Mechanismen in der tiefen Gesäßmuskulatur entstehende Muskelverspannung überträgt sich im Laufe der Zeit auf die gesamte Beckenmuskulatur und bereitet sich, vom Becken ausgehend, zentrifugal in den gesamten Körper aus.
Dabei ist die Spannung im unteren Teil der Wirbelsäule , also im
Lendenwirbelbereich, am Größten, wird aber häufig in der Nacken-, Schulter- und
Armregion, auf Grund des stärkeren Zuges, deutlicher und schmerzhafter wahrgenommen als im wesentlich stärker verspannten unteren Anteil der Wirbelsäule.
Das bedeutet, daß die Spannung in der Rückenmuskulatur ständig zunimmt,
besonders in Phasen verminderter Bewegung wie langem Stehen, Sitzen oder Liegen.
Im Rahmen der Spannungszunahme in der Rückemuskulatur werden die Wirbel fester
aufeinandergepreßt, wodurch z. B. bei zusätzlicher schwerer körperlicher
Belastung die Bandscheiben so stark komprimiert werden, daß sie einreißen, also ein Bandscheibenvorfall entsteht.
Ich erkläre meinen Patienten, die mit Bandscheibenproblemen, Schwierigkeiten
durch ein Wirbelgleiten oder einer Rückenmarkskanalverengung zu mir kommen:
Ischiasprobleme, gleichgültig welcher Erscheinungsform und Entstehungsart wie durch Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten und Rückenmarkskanalverengung haben eine gemeinsame Ursache, nämlich in erster Linie eine Hüft- und Kreuzbeinsubluxation.
Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten und Rückenmarkskanalverengung
sind aber nicht Ursache der Ischiasbeschwerden.
Diese entstehen durch Ischiaseinklemmungen im Rahmen von Hüft- und Kreuzbeinsubluxationen mit der daraus resultierenden Verspannung der tiefen Gesäßmuskulatur.
Auch wenn es für Sie unglaublich und unvorstellbar sein mag, Hüft- und
Ischiaserkrankungen sind leicht und jederzeit nachweisbar mittels der SMT®
heilbar.
Das gilt auch für atypische Ischiasformen im Beinbereich wie z. B. Gicht,
Fersensporn, Knie- und Krampfadererkrankungen, Restless legs (unruhige Beine in
Ruhe), die ich im Einzelnen hier nicht abhandeln kann.
Natürlich gilt auch hier der Grundsatz: es darf sich nicht um echte Mißbildungen
oder Organveränderungen handeln. Solche Befunde kann man mit der SMT® nicht
heilen, aber möglicherweise manche Beschwerden, die bei solchen Leiden
auftreten, lindern.
Besteht die Heilungsmöglichkeit mittels der SMT®, muß jedem klar sein, daß der
Heilungsprozeß umso länger dauert, je älter der Patient und umso älter seine
Schäden und Beschwerden sind. Blitzheilungen kommen manchmal vor, sind aber
leider die Ausnahme.
Die vom Becken ausgehende und sich zentrifugal ausbreitende Verspannung der
Muskulatur des gesamten Organismus´ sorgt, wie schon erwähnt, natürlich auch für
eine zunehmende Verspannung der Rückenmuskulatur. Der Muskel versucht, durch
eine erhöhte Muskelspannung seinen ursprünglichen Funktionszustand wieder
herzustellen. Ist das aus anatomischen Gründen nicht möglich, wird aus dem
frustranen Bemühen eine Dauerspannung, die bis zur Kontraktur (extreme
Verspannung) gehen kann.
Ein verspannter Muskel verkürzt sich.
Für den Rücken bedeutet dies, daß die Spannung und Verkürzungstendenz in der Rückenmuskulatur solange kontinuierlich zunimmt, wie es zu keiner Korrektur von Hüft- und Kreuzbeinsubluxation kommt.
Es kann aber nicht sein, daß sich die Rückenmuskulatur verkürzt und die knöcherne Wirbelsäule nicht nachgibt.
Da sich die knöchernen Wirbel aber nicht zusammenziehen können, löst der Körper das Problem des Längenausgleichs von verspannter und verkürzter Rückenmuskulatur und knöcherner Wirbelsäule dadurch, daß sich die Wirbelsäule verformt und somit den notwendigen Ausgleich schafft.
Das bedeutet, daß:
Die Schwere einer Skoliose, aber auch Kyphose (meist haben wir es mit Mischformen beider Erscheinungen zu tun) ausschließlich von der Schwere und dem Alter von Hüft- und Kreuzbeinsubluxation abhängt.
Diese Erkenntnisse der Skolioseentstehung sind auch für die Schulmedizin
völlig neue Aspekte, denn sie glaubt, daß eine auf Grund eines Trainingsmangels
zu schwache Rückenmuskultur für Skoliosen und Kyphosen verantwortlich sei. Das
ist ein Märchen. Glauben Sie wirklich, daß die Natur so einfältig ist, die
Stabilität unseres aufrechten Ganges durch ein elastisches System (Muskulatur)
zu gewährleisten?
Es verblüfft mich heute immer noch, und die den Patienten regelmäßig zur
Therapie begleitenden Angehörigen müssen und können dabei zusehen, wie nach
exakter Korrektur der Beinlängendifferenz, von Hüft- und Kreuzbeinsubluxationen,
sogar bei alten Menschen die Skoliosen und Kyphosen in Sekunden deutlich besser
werden oder gar verschwinden.
Warum leiden Kinder schon unter Skoliosen, Kyphosen oder Kyphoskoliosen, und
warum sind Wirbelsäulendeformierungen bei Kindern und Jugendlichen häufiger und
oft schwerer als bei Erwachsenen?
Weil die altersabhängige Grundspannung in der Muskulatur bei Kindern und
Jugendlichen noch nicht so hoch ist wie bei Erwachsenen und älteren Menschen.
Dadurch führt der durch Hüft- und Kreuzbeinsubluxationen bedingte
Spannungsaufbau in der Rückenmuskulatur einfach zu einer viel stärkeren
Deformierung als bei der durch die Altersrigidität weniger nachgiebige
Rückenmuskulatur älterer Personen.
Auf der anderen Seite hängt damit auch der Umstand zusammen, daß junge Menschen
Lärm viel besser aushalten als ältere. Je älter und verspannter ein Mensch ist,
um so stärker gerät sein Körper durch Schallwellen in Schwingung und Vibration,
was dann als unangenehm empfunden wird. Der Hintergrund dafür ist der, daß
verspannte Muskeln und Sehnen Vibrationen besser und tiefer in den Körper
leiten, als lockere, die noch zu einer gewissen Dämpfung fähig sind. Ein junger
Mensch, mit einer noch relativ lockeren Muskulatur, empfindet daher Lärm und die
damit verbundene Vibration des Organismus´ nicht so stark und unangenehm.
Der Gesichtspunkt einer noch lockeren Muskulatur bei Kindern und Jugendlichen
ist gleichzeitig der Grund, warum diese sich körperlich nicht so belasten
sollten. Sie sind auch die Erklärung für die angebliche Faulheit junger
Menschen, denn diese ist ein unbewußter Selbstschutz vor körperlicher
Überbelastung und den damit verbundenen Schäden.
Bei älteren Personen ist das genau umgekehrt. Bei ihnen nimmt die Muskelspannung
immer dann zu und sie bekommen Beschwerden, wenn der Betreffende länger zur Ruhe
kommt z. B. im Stehen, Sitzen und Liegen. Solche Personen profitieren durch
ständige Bewegung, denn diese hält, im Sinne einer Automassage, deren Muskulatur
locker.
Es gibt nicht Schöneres als eine Skoliosebehandlung mittels der SMT® gerade bei
Jugendlichen, wenn man zuschauen kann, wie sich die Verformungen der Wirbelsäule
mehr oder weniger schnell bessern und mit der Zeit ganz verschwinden.
Selbstredend ist dazu eine konsequente, tägliche häusliche Nachbehandlung der
Gelenk- und Wirbelsäulenschäden durch den Patienten, mit Hilfestellung von
Angehörigen, notwendig. Das Ideale dabei ist, daß die Handgriffe völlig
ungefährlich und einfach, daher auch von Laien schnell erlernbar sind.
Auch die Blockierungsneigung von Wirbeln, bei der es zur Einklemmung der
seitlich aus der Wirbelsäule austretenden Nerven kommt, mit den
hexenschußähnlichen akuten Schmerzerscheinungen, ist Hinweis und Folge einer
Spannungszunahme in der Rückenmuskulatur. Hier ist vor allem der 5. Lendenwirbel von herausragender Bedeutung.
Bei einer durch einen angeblichen Trainingsmangel lockeren Rückenmuskulatur
könnten nie Blockierungen entstehen, denn solche treten nur dann bei
Drehbewegungen von Wirbeln bei Körperdrehungen auf, wenn die Muskulatur die sich
bewegenden Wirbel so verzieht, daß sie in der augenblicklichen Drehbewegung
verkanten und nicht mehr in die Ausgangslage zurückkehren.
Nun wissen die amerikanischen Osteopathen, daß von jedem Wirbel und seinem entsprechenden Rückenmarksabschnitt die Funktion ganz bestimmter Organe abhängig ist.
Vegetatives und spinales Nervensystem stehen miteinander in direktem Kontakt (Rami communicates).
Die Erklärung der anatomischen Fakten würde hier zu weit führen. Kommt es im
Rahmen von Blockierungen, Skoliosen, Kyphosen und Kyphoskoliosen zur Einklemmung
der seitlich aus dem Rückenmark und der Wirbelsäule austretenden Nerven,
entsteht sofort eine Störung der Funktion von inneren Organen, die an den
entsprechenden Nerven und deren Rückenmarksabschnitten hängen.
Solche Funktionsstörungen sind der Boden, auf dem dann, auch durch zusätzliche
äußere Einflüsse, Krankheiten entstehen. Über die verschiedenen Wirbel und die
über die entsprechenden Rückenmarksabschnitte gekoppelten Organe informieren
Sie sich bitte in Abb. 5. An Hand dieser Abbildung wird es Ihnen ein Leichtes
sein, die für bestimmte Erkrankungen verantwortlichen Wirbel abzuleiten und
herauszusuchen. Das System ist aber doch etwas komplizierter, als es sich in der
SMT®- Tabelle darstellt.
Man muß nämlich wissen, daß bestimmte Organe und deren Funktionen voneinander
abhängen und sich gegenseitig regulierend beeinflussen.
Die Chinesen haben das Prinzip, welches dahinter steckt, schon vor Tausenden von
Jahren erkannt und in ihrer Akupunktur, speziell in deren Meridian- und
Funktionskreislehre, systematisiert.
Dabei handelt es sich beim Meridian um eine real existierende Struktur unseres Nervensystems, nämlich den oben schon erwähnten Gefäßnervenstrang, der peripheren Fortsetzung des vegetativen Nervensystems.
Alle so genannten alternativen Therapien, gleichgültig ob es sich dabei um Kneipp, Akupunktur, Penzel oder andere handelt, entfalten ihre Wirkung über das vegetative Nervensystem.
Das macht die Verständigung der “Alternativ- oder Complimentärmedizin“
mit der Schulmedizin so schwierig, da beide in ihrem Grundverständnis von völlig
unterschiedlichen organischen Systemen ausgehen.
Die Schulmedizin kennt zwar den Zusammenhang zwischen Organen und vegetativem
Nervensystem, mißt dieser Verbindung aber eine extrem untergeordnete Bedeutung
bei, die sie lediglich in der Steuerung gewisser Organfunktionen wie z. B. der
Insulinausschüttung, Pupillenreaktion und anderen, sieht.
Diese eingeschränkte Sichtweise hat dazu geführt, daß sie die Hauptaufgabe des
Vegetativums, die Steuerung der Organfunktionen und deren Abgleich
untereinander, nicht beachtet oder nicht kennt.
Die fernöstliche Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist auf ihrer Seite ebenso einseitig wie die Schulmedizin auf der westlichen.
Sie interpretiert den Menschen und seine Erkrankungen ausschließlich aus Sicht des vegetativen Systems und erachtet naturwissenschaftliche Aspekte als eher zweitrangig.
Die Synthese beider, der westlichen und chinesischen Medizin (wie dies in der
SMT® geschieht), kann man als ganzheitlich bezeichnen und damit kann mit Fug und
Recht behauptet werden, daß somit die Effizienz der SMT® unerreicht ist.
In der beigefügten Tabelle (Abb. 6) sind vegetative Interaktionen zwischen
Wirbeln und Organen, Gewebsstrukturen und psychischen Reaktionen
aufgelistet. Die Organe, die untereinander eine Funktionseinheit bilden, sind in
sogenannten Funktionskreisen (nach König und Wancura) zusammengefaßt.
Eine Funktionseinheit besteht aus einem Speicher- und einem Hohlorgan sowie
einer Körperöffnung. Alle Körperöffnungswirbel sind an der Halswirbelsäule zu
finden.
Eine Funktionseinheit besteht aus einem Speicher- und einem Hohlorgan sowie
einer Körperöffnung.
Eine Blockierung z. B. des Herz-, des zweiten Brustwirbels (Rhythmusstörungen,
Schwindel, Schlafstörungen und Freudlosigkeit usw.) wirkt sich gleichzeitig
negativ auf den 12. Brustwirbel, den Dünndarm-, Kreislauf-, Eierstock- und
Hodenwirbel (Kreislaufstörungen, Zyklusstörungen der Frau mit unerfülltem
Kinderwunsch usw.) aus. Außerdem steht der Herzwirbel mit dem 2. Halswirbel in
direktem Bezug, der für eine gute Zungen- und Augenfunktion verantwortlich ist.
Der Volksmund drückt diese uralte menschliche Erkenntnis der Zusammenhänge z. B.
so aus, daß er sagt: „Mir hat es die Sprache verschlagen.“
So gesehen kann ein traumatisches Erlebnis, welches einem die Sprache
verschlägt, wirklich zu Schäden am Herzwirbel und am Herzen sowie den im
Funktionskreis gekoppelten Organen und - strukturen führen.
Nun haben immer zwei Funktionskreise einen gemeinsamen Körperöffnungswirbel,
weil der 2. Halswirbel gleichzeitig der Zungen- und Augenwirbel, der vierte
Halswirbel der Nasen- und Mundwirbel ist. Das führt zu weiteren Verknüpfungen
der in den verschiedenen Funktionskreisen gekoppelten Wirbel und Organe.
Nur der Funktionskreis Blase/ Nieren/ Ohren hat keinen direkten Bezug über einen
gemeinsamen Halswirbel zu anderen Funktionskreisen. Das ist auch nicht nötig,
denn er steht durch den Verlauf des Blasen-Meridians über den ganzen Rücken und
die Halswirbelsäule automatisch mit allen Wirbeln und deren Organen in Kontakt.
Daß die hier umrissenen Zusammenhänge real sind, und daß es wirklich einen von
mir so bezeichneten Meridianschmerz gibt und die Meridiane wirklich existent und
so bedeutend für unser Gesundheit sind, kann man an Symptomen
(Krankheitserscheinungen) erkennen, die z. B. gelegentlich bei einem Herzinfarkt
auftreten. Bei einem Herzinfarkt strahlt der Schmerz gerne in den Arm und die
Finger aus. Der Schmerzverlauf ist, vom inneren Achselbereich über die
Innenseite des Armes bis in den kleinen Finger, mit dem Verlauf des
Herz-Meridians identisch.
Wenn man die Existenz eines Meridianschmerzes anerkennt, versteht man plötzlich
viele Schmerzsymptome, für welche die Schulmedizin kaum oder nur schwer eine
Erklärung liefern kann, weil sie aus ihrer Sicht keine relevanten Befunde
erheben kann. Der Patient wird dann gerne, allzu schnell und zu Unrecht, in die
psychische Ecke verwiesen und bleibt im Regen stehen.
Die Behauptung der Schulmedizin und Psychiatrie, es gebe Schmerzen,
die auf Grund einer psychischen Fehlhaltung im Gehirn entstünden und für die es
kein organisches Korrelat gäbe, ist einfach falsch.
Das Korrelat existiert, man muß es nur kennen.
Zu finden ist es immer in Form von Gelenk- und Wirbelsäulenschäden
und damit prinzipiell mittels der SMT® heilbar.
So einfach das Prinzip der SMT® und die von ihr angewandte Art der manuellen Behandlung auf den ersten Blick ist, so sind die Zusammenhänge durch die sinnvolle Kombination von Erkenntnissen verschiedener Therapieformen aus aller Welt doch so komplex wie das gesamte menschliche Sein selbst. Leider fehlt mir im Rahmen dieses Artikels der Platz, Ihnen das ganze System der SMT® mit all ihren neuen Aspekten in seiner Vielschichtigkeit darzustellen. Dennoch hoffe ich, Ihnen einen kurzen Einblick und für manche vielleicht einen Ausblick und Lichtblick gegeben zu haben und Sie damit neugierig auf diese einmalige, hocheffiziente neue Therapieform gemacht zu haben, mit der man grundsätzlich alle menschlichen (aber auch tierischen) Gesundheitsprobleme, besonders wenn man präventiv oder frühzeitig aktiv wird, angehen und heilen kann.